Sprachmodelle wie ChatGPT oder Gemini können innerhalb weniger Minuten einen vollständigen Contentplan erstellen. Die KI liefert Themen, Formate, Hooks und Veröffentlichungstags in Sekunden. Der Post-Kalender ist anschließend gefüllt und die nächsten Arbeitswochen wirken endlich planbar.
Trotzdem bleiben die erhofften Ergebnisse aus: Gepostete Beiträge erhalten wenig Aufmerksamkeit, ziehen kaum passende Follower an und lösen nichts Konkretes aus. Die Lösungen scheint dann mit noch mehr Ideen, neuen Formaten oder einem ausführlicheren Prompt zu arbeiten. Dabei fehlt ja gar nicht Content, sondern eine eindeutige Antwort auf die Frage, warum sich die eigene Zielgruppe mit diesem Content beschäftigen sollte.
Ein KI-Contentplan kann noch so gut organisiert und sprachlich sauber sein. Eine Strategie ist er deswegen aber noch nicht.
Ein voller Plan löst das Problem nicht
Ein typischer Prompt an ChatGPT enthält eine kurze Beschreibung des Unternehmens, eine schwammige Zielgruppenbeschreibung und die gewünschten Plattformen. Und mit diesem Prompt soll die KI beispielsweise 30 abwechslungsreiche Beiträge für Instagram und TikTok entwickeln. Das Ergebnis kann sogar vernünftig aussehen. Es enthält Produktvorstellungen, Einblicke hinter die Kulissen, Ratschläge, Umfragen und Beiträge mit Kundenmeinungen. Man sieht auf einen Blick: Verschiedene Formate wechseln sich ab und jeder Tag ist mit Content belegt.
Sprachmodelle kennen verbreitete Contentformate und können sie passend zu einer Branche kombinieren. Die KIs wissen aber nicht, warum bisherige Kunden gekauft haben, welche Zweifel vor der Kauf-Entscheidung bestanden oder in welchem Moment ein Produkt wirklich interessant wurde. Diese Informationen stehen nicht in einer allgemeinen Unternehmensbeschreibung. Fehlen sie aber, erstellen KIs keinen individuellen strategischen Ansatz sondern ordnen wahrscheinliche Themen in einem Kalender an.
Ein konkreter Fall: Die vegane Schokoladenmarke
Nehmen wir einen fiktiven regionalen Hersteller veganer Schokolade. Das Unternehmen möchte stärker Menschen zwischen 20 und 30 Jahren erreichen und dafür regelmäßig auf Instagram und TikTok Content veröffentlichen. Dafür formulieren sie einen Prompt an ChatGPT, der ungefähr lautet:
Erstelle einen modernen und authentischen Social-Media-Contentplan für eine regionale Marke, die vegane Schokolade verkauft. Die Zielgruppe sind Menschen zwischen 20 und 30 Jahren. Daraufhin kommen von der KI Inhalte wie diese:
- Vorstellung der verschiedenen Sorten
- Rezept für ein veganes Schokoladeneis
- Einblick in die Herstellung
- Umfrage der Lieblingssorte
- Vorteile eines veganen Lebensstils
- Gewinnspiel mit einem Produktpaket
Damit lässt sich ein Account bespielen. Erst auf den zweiten Blick sieht man: Diese Liste könnte man unverändert für viele andere Produkte verwenden. Die Inhalte erklären das Produkt umfänglich aber liefern keinen besonderen Grund, sich gerade für diese vegane Schokoladenmarke zu interessieren. Auch eine so schwammige Zielgruppenbeschreibung muss vermieden werden; eine oberflächliche Altersangabe hilft nur begrenzt: Menschen zwischen 20 und 30 Jahren bilden keine einheitliche Gruppe mit denselben Lebenssituationen und Kaufmotiven.
KI kennt Unternehmen, aber nicht Kaufmoment
Um einen relevanten Ansatz mit KI zu entwickeln müsste zunächst untersucht werden, in welchen Situationen jüngere Menschen die Schokolade verwenden könnten, möchten und bräuchten. Dafür reichen eine Produktbeschreibung und einige oberflächliche Angaben nicht. Benötigt werden reale Rückmeldungen aus Kundengesprächen, Erfahrungen aus dem Verkauf, Reaktionen auf bisherige Inhalte und Beobachtungen aus dem Alltag mit dem Produkt. Dabei könnte sich beispielsweise zeigen, dass jüngere Käufer die Schokolade nicht als gewöhnliche Schokolade betrachten. Sie suchen vor allem bei gesunder Ernährung nach einer Alternative, wenn sie keine industriell verarbeiteten Lebensmittel essen möchten. Und keine Schokolade ist eben keine Option, also ist vegane Schokolade ein Ersatz.
Aus dieser Beobachtung entsteht eine ganz andere kommunikative Richtung: Die Schokolade wird zu einem Produkt für Momente, an denen du nicht verzichten willst, aber nach dem Konsum trotzdem deine persönlichen Ideale verfolgen kannst.
Dieser Gedanke ist deutlich wertvoller als eine Contentliste mit 30 wahrscheinlichen und bekannten Beiträgen. Er verbindet das Produkt mit einem konkreten Moment und gibt der Marke eine nachvollziehbare Rolle. ChatGPT konnte diese Erkenntnis nicht aus dem ursprünglichen Prompt gewinnen. Diese nachvollziehbare Rolle musste erst außerhalb der KI analysiert werden.
Diese Erkenntnis verändert den gesamten Contentplan – der zukünftige Content geht von einer konkreten Situation aus, die für potenzielle Käufer nachvollziehbar ist. Dadurch entsteht auch eine klare Grundlage für weitere Entscheidungen. Unternehmen können prüfen, ob Menschen auf diesen Nutzungsmoment reagieren, eigene Erfahrungen teilen oder die beschriebenen Inhalte speichern. Wenn diese Reaktionen ausbleiben, muss nicht sofort die Veröffentlichungsfrequenz erhöht werden. Im ersten Schritt sollte immer die zugrunde liegende Annahme überprüft werden.
Was eine Textagentur vor dem Schreiben leistet und KI nicht kann
Eine Agentur sollte in diesem Prozess nicht einfach bessere Beitragsideen liefern. Ein möglicher Wert liegt vor allem darin, die kommunikative Grundlage zu erarbeiten. Dazu gehören vier wesentliche Aufgaben.
Relevantes sichtbar machen
Viele wichtige Erkenntnisse über Kunden und Kaufentscheidungen existieren bereits. Sie stecken in Gesprächen mit Kunden, häufigen Rückfragen, Erfahrungen des Vertriebs oder Reaktionen auf bisherige Beiträge. Intern werden diese Informationen oft als selbstverständlich wahrgenommen. Eine externe Perspektive hilft dabei, die Aussagen zu erkennen, die für Außenstehende wirklich relevant sind.
Zielgruppen genauer einordnen
Eine Generation oder Altersgruppe reicht für strategische externe Unternehmenskommunikation nicht aus. Viel entscheidender sind Lebenssituation, bisherige Gewohnheiten, Erwartungen und reale Entscheidungsmomente. Es geht nicht darum, eine künstlich genaue Fantasie-Persona mit KI zu erfinden. Das reicht nicht aus, weil diese Persona nur wahrscheinlich und nicht real ist. Vielmehr geht es darum, eine Gruppe anhand realer Gemeinsamkeiten so weit einzugrenzen, dass verständliche kommunikative Entscheidungen nachvollziehbar werden.
Botschaften priorisieren
Eine Marke besitzt oft mehrere Vorteile und Themen. Werden alle gleichzeitig kommuniziert, wirkt keiner davon besonders wichtig. Strategische Arbeit bedeutet deswegen auch, etwas gekonnt wegzulassen. Eine Textagentur entscheidet mit der Marke, welcher Gedanke im Vordergrund steht und welche Aussagen ergänzend dazukommen.
Aus der Botschaft ein Content-System entwickeln
Erst nach den vorangestellten Schritten werden Contentbereiche, Formate und konkrete Beiträge geplant. Jeder Inhalt erhält eine klare Aufgabe innerhalb der Gesamtkommunikation. Beispielsweise machen einige Beiträge das Problem sichtbar und andere erklären das Angebot, beantworten Zweifel oder zeigen eine konkrete Anwendung. So entsteht kein zufälliger, wahrscheinlicher Themenmix, sondern ein wiedererkennbarer roter Faden.
Warum niemand beliebige Markeninhalte braucht
Social Media spielt besonders für junge Menschen nicht nur bei Unterhaltung eine wichtige Rolle. Die Plattformen wie TikTok und Instagram werden zur Suche, zur Orientierung und für Kaufentscheidungen genutzt.
Laut einer Befragung von Sprout Social aus dem Jahr 2025 suchten 41 Prozent der befragten Gen-Z-Nutzer zuerst auf sozialen Plattformen nach Informationen. 90 Prozent gaben an, dass Social-Media-Inhalte in den vorherigen sechs Monaten mindestens eine Kaufentscheidung beeinflussten. Aktuelle Deloitte-Daten zeigen außerdem, dass mehr als die Hälfte der befragten Gen Z Social-Media-Inhalte als relevanter wahrnimmt als traditionelle Medieninhalte.
Daraus lässt sich aber nicht einfach ablesen, dass Marken einfach mehr Kurzvideos veröffentlichen sollten. Es zeigt eher, dass jeder Beitrag in einem Umfeld bestehen muss, das bereits stark auf persönliche Interessen zugeschnitten ist.
Eine formell korrekte Produktvorstellung konkurriert dort mit Creatorn, Freunden, Nachrichten und sämtlichen anderen Inhalten des Feeds. Aufmerksamkeit entsteht aber nicht allein durch das passende Format: Ein Beitrag muss einen klar und schnell erkennbaren Bezug zum Leben der betrachtenden Person herstellen.
Woran du einen strategisch schwachen KI-Contentplan erkennst
Ein Contentplan sollte dringend verbessert werden wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:
- Die Ideen können auch von einem Wettbewerber veröffentlicht werden.
- Die Zielgruppe wird über demografische Daten wie Alter beschrieben.
- Beiträge stellen das Unternehmen oder das Produkt in den Mittelpunkt.
- Die Themen beruhen auf Vermutungen statt auf realen Kundenerfahrungen.
- Die Inhalte wechseln ständig die Perspektive.
- Der Plan enthält konkrete Formate, aber keine erkennbare Hauptbotschaft.
- Als Erfolg werden fast ausschließlich Reichweite und Veröffentlichungsmenge betrachtet.
In diesen Fällen ist nicht unbedingt die KI schlecht eingesetzt worden. Wahrscheinlich wurde sie zu früh eingesetzt. Nutzt man einen ausführlicheren Prompt können einzelne Ergebnisse verbessert werden. Aber er ersetzt immer noch nicht die fehlenden, realen Erkenntnisse über die Zielgruppe und den Markt.
Fazit: Contentplan ist nicht der Anfang einer Scoial-Media-Strategie
Sprachmodelle wie ChatGPT können einen Redaktionskalender füllen und Themen ordnen. Damit nimmt die KI Unternehmen einen erheblichen Teil der operativen Arbeit ab. Aber sie können nicht allein herausfinden, welchen echten Moment eine Marke besetzen sollte und welche Botschaft für eine reale, konkrete Zielgruppe wirklich relevant ist.
Diese Entscheidungen entstehen aus Gesprächen, Beobachtungen, Daten und einer kritischen Außenperspektive. Gerne beraten wir dich und bieten deinem Projekt eine Außenperspektive an, kontaktiere uns dafür gerne.
FAQ
Kann ChatGPT einen vollständigen Contentplan erstellen?
Ja, ChatGPT kann Themen, Formate, Hooks und Veröffentlichungstage zu einem vollständigen Plan verbinden. Ob dieser Plan zur realen Zielgruppe und zur Positionierung des Unternehmens passt, muss jedoch strategisch am besten von einer Außenperspektive geprüft werden.
Warum sind KI-Contentpläne häufig austauschbar?
KI-Modelle wie ChatGPT arbeiten auf Basis vorhandener Informationen und gelernter Muster. Fehlen konkrete Kundenerfahrungen und eine priorisierte Botschaft, entstehen weitverbreitete Ideen, die auch zu vielen anderen Unternehmen passen könnten und bereits genutzt werden.
Reicht ein ausführlicherer Prompt für bessere Inhalte?
Ein genauer Prompt verbessert das Ergebnis, wenn die benötigten Erkenntnisse bereits vorhanden sind. Er kann jedoch nicht zuverlässig ersetzen, dass Zielgruppen untersucht, Kundenfragen ausgewertet und kommunikative Prioritäten festgelegt werden.
Wann lohnt sich eine Agentur für den Contentplan?
Externe Unterstützung ist besonders sinnvoll, wenn regelmäßig veröffentlicht wird, aber kaum passende Reaktionen entstehen. Eine Agentur hilft dann nicht nur bei neuen Ideen, sondern prüft Zielgruppe, Botschaft, Positionierung und die strategische Rolle der einzelnen Inhalte.


